Anne Will`s wissen

Schulz bei Anne Will | Fast wär es ähnlich schief gelaufen wie bei Auftritten von Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Anne Will und eine Kassiererin aus Essen lassen den Neuen alt aussehen.

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Bildquelle: pixabay/ Creative Commons CC0

Schulz bei Anne Will | Fast wär es ähnlich schief gelaufen wie bei Auftritten von Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Anne Will und eine Kassiererin aus Essen lassen den Neuen alt aussehen.

von Ulrich Lange

Oh, oh – das hätte auch bös‘ in die Hose gehen können. Martin Schulz, der frisch gekürte SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat auf Promo-Tour durch die Talkszene. Da sitzt er nun, gut gelaunt und vorbereitet, die „Martin, Martin“-Sprechchöre im Willy-Brandt-Haus noch im Ohr, und setzt darauf, dass Talkmasterin Anne Will ihm schon elegant die Bälle und Stichworte zuwürfe für eine perfekte One-Man-Show. Die will aber Fragen beantwortet sehen, die Martin Schulz, dem innenpolitisch unbeschriebenen Blatt, nicht nur ein parteipolitisch vermarktbares Profil verleihen, sondern zeigen, für welche Positionen Gabriels Nachfolger im Parteivorsitz und (fast un-)möglicher SPD-Kanzler steht. Ja, und wofür steht er denn, der gefeierte Rückläufer aus Brüssel? Wie will er z.B. enttäuschte SPD-Anhänger überzeugen, seiner Partei wieder zu alter Stärke zu verhelfen? Welche Koalitionen scheiden aus, welche bieten sich an? Was unterscheidet sein Programm und seinen persönlichen Stil von dem des unbeliebten Vorgängers („mein Freund Sigmar“) einer- und dem der kühlen Kanzlerin andererseits?
 

Zunächst läuft auch alles wie gewünscht. Solo für O.N.K.E.L Schulz, den mit ständigen Ovulationen – T’Schuldigung, natürlich standing Ovations – frisch inaugurierten Staats- und Strahlemann, den einst fürsorglichen Bürgermeister der rheinischen Kleinstadt Würselen, der die Sorgen und Nöte seiner Mitbürger aus 11 harten Jahren Kommunalpolitik kennt wie kein Zweiter und diese zur Grundlage seines Kampfes für soziale Gerechtigkeit machen will, den nachmaligen Spitzen-Europäer, der sich auskennt auf dem internationalen Parkett und trotzdem auch mal ganz emotional und für die gute Sache auf den Tisch haut.

Entschlossenheit und klare Kante will er ausstrahlen. In der Gesellschaft sei was faul. Wie lange schon? Und wer trägt zumindest eine deutliche Mitschuld? Schulz offenbar nicht. Denn sein Brustton der Überzeugung lässt keinerlei Zweifel aufkommen, dafür aber den Applaus von den Rängen aufbranden. Boni runter für die Nieten in Nadelstreifen – Löhne rauf für die hart Arbeitenden! Wieder ein Volltreffer beim Publikum. Applaus, Applaus. Steuergerechtigkeit und soziale Sicherheit, yeah! Und mit den Rechtspopulisten niemals! Die Stimmung klettert auf Wies’n-Niveau.

Doch plötzlich die Konfrontation mit der Stimmung der (einstigen) Stammwähler-schaft im Ruhrpott. Da sitzt die Gewerkschafterin Maurike Maaßen aus Essen im Publikum, eine von jenen, die Martin, der Volkstümliche, der das Abi nicht schaffte und ein Alkoholproblem hatte, nicht zum ersten Mal als Kronzeuginnen für die Ungerechtigkeiten dieser Welt bemüht: Die Supermarktkassiererin, die wegen kleinster Verfehlungen den Job verliert, während Konzernmanager, die durch Fehlentscheidungen ein Milliardenunternehmen ins Wanken bringen… Ach, ihr eingängigen Applaus-Bringer, wie schnell nutzt ihr euch ab! Und zu allem Überfluss noch ein Einspieler mit Statements enttäuschter SPD-Wähler.

Schulz muss jetzt strampeln, soll Verständnis für das Volk zeigen, ohne z.B. die Fehler der Schröder-Ära einzugestehen oder Parteifreunde aus der GroKo zu beschädigen. Schwierig, schwierig. Denn irgendwie hat er gar nicht verstanden, warum die Abgehängten aus dem Pott der einstigen Partei der kleinen Leute gegenüber so nachtragend sind. Mobilisierbarkeit gegen die Gerechtigkeitslücke setzt beim Wahlvolk eben eine Gedächtnislücke voraus.

„Die letzten Sektkorken“, sagt da einer im Einspielfilm, „die wir bei der Wahl von Schröder und Fischer haben knallen lassen, sind uns im Hals stecken geblieben!“ Schulz kontert mit sozialen Errungenschaften aus GroKo-Zeiten, die ja alle noch üppiger ausgefallen wären, hätte man sich nicht mit CDU und CSU auf Kompromisse einigen müssen. Zu einer solchen Fressgemeinschaft war man zwar nicht gezwungen, doch brachte die wenigstens die Parteioberen an die Fleischtöpfe oder die rettenden Raufen der Winterfütterung. Opposition ist eben Mist, wie der Münte aus dem Sauerland es den Parteifreunden eingeimpft hat. Der entsendet nach dem eigenen Rückzug aus dem Politikcircus jetzt sogar eine Jugendvertreterin aus der Familie ins Parlament. Clever, clever.

Bei konkreten Fragen nach Rot-Rot-Grün, den Steuern, der angemessenen Höhe des Mindestlohns usw. möchte sich St. Martin alias Rémy Martin, wie der politische Gegner in Anknüpfung an die Adenauerzeit (Willy Weinbrandt) bereits gehässig scherzt, nicht festlegen. Lieber erinnert er an seinen tugendsamen Namenspatron, der einer frommen Legende zufolge im Winter seinen Mantel mit einem Bettler teilte (und dann allerdings – typisch SPD – auf einem Schimmel davon trabte). Was aus dem Bettler mit dem halben Mantel wurde, ist dagegen nicht überliefert. Heute würde er wohl AfD wählen.

Und dann verheddert St. Martin sich erwartungsgemäß in die inneren Widersprüche seiner Partei, die bei der letzten Wahl auch jenseits von CDU/CSU eine knappe Mehrheit zustande gebracht hätte, die aber die Stimmen der Mittelschichtler nicht aufs Spiel setzen durfte, die sich entgegen der eigenen Interessenlage krampfhaft an den „Bessergestellten“ orientieren, weil sie eine Heidenangst haben, demnächst auch als Verlierer der Globalisierung und der Digitalisierung dazustehen. Und nun muss man leider auch noch die Stimmen derer einsammeln, die nichts mehr zu verlieren haben. Denn nur mit ihrer Hilfe könnte man wieder stärkste Partei werden und den Kanzler stellen, wie Schulz das etwas zu selbstbewusst und zu laut als seine Wahlziele propagiert.

Auge in Auge mit der Repräsentantin der Absteiger von der Ruhr zeigt Schulz plötzlich Nerven. Da verbittet er sich nervös Unterbrechungen seitens der Moderatorin, obwohl die gar keine Anstalten macht, ihm in die Parade zu fahren. Und dann bittet, nein fleht er fast um einen Vertrauensvorschuss: Erst eure Stimmen, dann können wir für euch Politik machen! Hat er wirklich zugehört? Gerade wurde ihm doch erklärt, warum das im Pott nicht mehr zieht. Schlechte Erfahrungen mit den sozialen Aufsteigern (Jahresgehalt von Schulz als Präsident des EU-Parlaments = ca. 325.000 Euro, ungefähr zwei Drittel davon steuerfrei) aus einer Partei , die sich einst an dem Erfolgsmodell von New Labor orientierte, die kleinen Leute vergaß und heute wie ein Konzern geführt wird. Hartz IV- Reformen, Rentenkürzungen und Deregulierung des Arbeitsmarkts und des Bankensektors schon vergessen? Oder den Riester-Beschiss, wo die Zusatzrente später von den Sozialleistungen abgezogen wird? Oder die unsägliche Energiewende, diese Gelddruckmaschine für Subventionsgewinnler und Grundbesitzer, die von den kleinen Stromkunden bezahlt wird, während Großverbraucher aus der Industrie satte Rabatte erhalten? Oder die dilettantische Mietpreisbremse, die den Wohnungsbau bremst, nicht aber die Gentrifizierung in den Städten? Etliche Mienen im Publikum werden nun eisig. Die, die Schulz eben noch frenetisch applaudierten, schauen jetzt verunsichert in die Runde.

Zum Schluss will die Talkmasterin von Schulz noch hören, was er denn besser könne als sein Vorgänger oder die sozialdemokratisierte Angela Merkel. „Wir haben es schwer miteinander!“ hat der Kandidat sich kurz zuvor über Wills Fragestil beschwert. Und Will macht es Schulz mit ehrlicher Neugier und journalistischer Beharrlichkeit tatsächlich auch nicht so leicht wie erwartet. Nicht nur Will will’s wissen. Der Zuschauer und Wähler auch. Und Schulz wird’s schwerer haben, als die SPD es im derzeitigen Freudentaumel anzunehmen scheint.

„Elitärer“ Realitätsverlust

Das Thema „Gewalt gegen Polizisten“ bei Maischberger. Ein schönes Beispiel, wie sog. „Intellektuelle“ weg zu schwafeln versuchen, was für den Normalmenschen erlebte Realität ist. Die Enteignung des eigenen Erlebens durch „Differenzierung“ und „Relativierung“ gehört zu den beliebtesten Taktiken der Gutbürger und Gutmenschen dieser Republik. Nur lassen viele sich das nicht mehr gefallen. „„Elitärer“ Realitätsverlust“ weiterlesen

Über Heike Kottmann: „Licht aus, die Mayer kommt!“

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Ein (pseudo-)autobiografischer Internatsroman einer ehemaligen Schülerin der Schule Schloss Salem)

Prolog:

„Ich bin in all den Jahren als Minister manchmal Maklern, Investmentbankern und Jungunternehmern begegnet,  die von einer erschreckenden Dünkelhaf-tigkeit, Selbstbezogenheit und Herablassung gegenüber dem gemeinen Volk waren. […] Nicht selten tauchen in ihrem Schlepptau schwer erziehbare, weil völlig verwöhnte Kinder auf, die dann auf Internate mit der Begründung geschickt werden, dass die öffentlichen Schulen in Deutschland zu schlecht seien.“  (Ex-Finanzminister Peer Steinbrück in WDR5 Redezeit, Sendung vom 04.10.2010)

Ich mache gern Ausflüge nach Absurdistan. Eliteinternate (und nicht etwa nur die britischen) sind so ziemlich das „kränkste“, was man sich vorstellen kann. Zu Beginn meiner Berufslaufbahn war ich für drei Jahre Lehrer und „Freizeitaffe“ (wie die Tätigkeit des Nachmittags-Animateurs dort genannt wurde) in einer der teuersten Internatsschulen Deutschlands (die dankenswerterweise vor wenigen Jahren Konkurs anmelden musste und nun als das weitergeführt wird, was sie und ähnliche „Nobel-Institute“ immer schon waren: Heim(e) für Problemjugendliche). Niemals in späteren Jahren war ich wieder mit einem derartigen Sumpf konfrontiert. Ein Buch, einen Internats-Krimi, „wie ihn das Leben schrieb“, hätte ich verfassen können. Ich habe es nicht getan, sondern lieber eine Verbraucherberatungsstelle gegründet, die Eltern und Schüler darüber aufklärt,  wie es hinter den Kulissen solcher Einrichtungen aussieht. Habe mal etwas in meinem Archiv gekramt und komme zu dem Ergebnis: Die Krimis, die sich in den Internaten (je teurer desto schlechter) abspielen, kann sich kein Außenstehender vorstellen. Hier nur eine kleine Auslese von der „Spitze des Eisbergs“:

Auch nicht schlecht: Serienkrimis, die zwar nur in Eliteinternaten „spielen“, aber die dortigen Verhältnisse recht gut wiedergeben. Zum Beispiel:

Meine Aufklärungsarbeit in der Verbraucherberatungsstelle erreichte immer nur einen kleinen Teil der bereits im Kant`schen Sinne Aufgeklärten (oder bereits auf die Internatswerbung in übelster Weise Hereingefallenen). Die Masse der Eliteinternats-Affinen ist alles, nur keine Elite, hält sich aber für „was Besseres“ und ist von daher einerseits vollkommen beratungsresistent, aber auch mit leeren Versprechungen und dem schönen Schein prächtiger Fassaden leicht hinter die Fichte zu führen. Privatschulen und erst recht Eliteinternate sind reine Glaubenssache in dem Sinne, dass man sie nur gut findet, wenn man ihrer Selbstdarstellung glaubt. Und die Salemer Botschaft ist die der gesamten privaten Bildungsindustrie: Was nichts extra kostet, taugt auch nichts. Aber sind ja nicht meine Kinder, die da nach dem Motto „Schöner Lernen“ zur Selbstüberschätzung erzogen werden.

Heike Kottmann, ehemalige Salem-Schülerin und heute als Journalistin und Autorin tätig, hat unter dem Titel „Licht aus, die Mayer kommt, einen Internatsroman verfasst, mit dem sie für ihre einstige Schule und für sich selbst Reklame machen will. Ihr habe ich eine etwas ungewöhnliche Rezension gewidmet, die hier heruntergeladen werden kann:

salem-kottmann-rezension

Links zum Thema:

Besucher, die die Rezension über Heike Kottmanns „wilde Jahre“ in der Schule Schloss Salem gelesen haben, interessieren sich vielleicht auch für die literarischen Ergüsse ihres Schulleiters „Dr. Raab“, der im wirklichen Leben Dr. Bueb heißt und in kurzer Zeit ein bemerkenswertes Œuvre an Ratgeber-Büchlein zusammengeschrieben hat. Hier meine ebenfalls sehr unfreundliche Würdigung für „Bueb den Schulmeister“:

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„Braucht es Störenfriede, damit die Politik lebendig bleibt?“

Das fragte sich das „Philosophische Radio“ auf wdr5 (Sendung am 24. Febr. 2017) und bat vorab schon mal um Diskussionsbeiträge. Das war meine Antwort:

An: philo@wdr.de

Frage: „Braucht es Störenfriede, damit die Politik lebendig bleibt? Wie stehen Sie zum puer robustus?“
Hier wird zunächst vorausgesetzt, dass Politik lebendig sei und dies bleiben müsse.
Schon an dieser Prämisse zweifele ich.
Um mein Verhältnis zum „puer robustus“ zu beschreiben, werde ich auf vier vorwiegend männliche „Typen“ von Herrn Thomä festgelegt:
– Den egozentrischen Störenfried
– den Exzentriker
– den nomozentrischen Störenfried sowie
– den „massiven Störenfried“ (Fundamentalisten).
Beim Deutschlandfunk war Herr Thomä noch mit einem Flohzirkus von drei Varianten aufgetreten: Er unterschied zwischen dem egozentrischen Störenfried, der allein seinen Eigenwillen zum Maß aller Dinge erkläre, dem exzentrischen Störenfried, der sich ebenso wenig um Regeln schere, aber seinen Eigenwillen nicht auslebe, da er noch auf der Suche nach sich selbst sei, sowie dem nomozentrischen Störenfried, der gegen eine Ordnung kämpft, um an die Stelle der alten Regeln neue zu setzen.
Nun mag es ja Typen von Störenfrieden geben wie Kinderkrankheiten oder Sand am Meer. Die Bandbreite reicht von Helden der historischen Legende (Wilhelm Tell) bis zum islamistischen Terroristen. Diese Bestandsaufnahme nun allerdings mit der Frage zu verbinden, ob man all diese brauche, um die Politik zu beleben, passt bestenfalls in den Karneval, aber nicht in eine ernsthafte philosophische Diskussion.
Natürlich „belebt“ es die Politik ungemein, wenn im Bundestag ein Islamist mit der Maschinenpistole in die Decke schießt. Da könnten Sie mal sehen, zu welcher Lebendigkeit sesselpupende Hinterbänkler fähig sind, um sich in Deckung zu werfen. Hält der Terrorist im voll besetzen Plenarsaal die Waffe tiefer, „belebt“ das schon weit weniger. Aber steigert das die Qualität der Politik? Nein. „Braucht“ es das also? Auch nicht.
Um nicht von vornherein in einer absurden Diskussion zu landen, werden Sie nicht umhin können, viel Sendezeit zu verplempern, um Ihren gesamten Zoo von pueri robusti nach dem Motto „Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“  erstmal zu sortieren, um dann in der Nachspielzeit der Sendung festzustellen, dass man sich besser nicht auf alle nur erdenklichen Spielarten des „Störenfrieds“ und deren notwendig negative Konnotationen eingelassen, sondern sich im Vorfeld auf den weniger komplexen Begriff des Querdenkers geeinigt hätte.
Pueri robusti in der Bedeutung des Querdenkers beleben die Politik einschließlich des gesamten politischen Diskurses der Gesellschaft tatsächlich ungemein und sind angesichts des omnipräsenten Gesinnungsterrors der Gutmenschen einerseits und des bürokratischen Zynismus (siehe Rückführung von Asylbewerbern) der Politik andererseits auch dringend notwendig.

Angesichts einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, wie Bundespräsident elected Frank Walter Steinmeier nicht müde wird zu orakeln, gehören die vertrauten Denkmuster und Standardantworten radikal in Frage gestellt. Und die zentrale Frage lautet sicher nicht: „Was ist der Kitt, der diese Gesellschaft zusammenhält?“, sondern: „Was hat die Welt so aus den Fugen geraten lassen und die Gesellschaft so gespalten?“ Querdenker an die Front!

Die Welt ist aus den Fugen…

Bundespräsident elected Frank Walter Steinmeier bringt es auf den Punkt: Die Welt ist aus den Fugen. Oooh. Und wo’s der ganzen Welt beschissen geht, kann es in „unserer“ Gesellschaft“ natürlich nicht gemütlicher zugehen. Doch der Schreinersohn aus Brakelsiek, der oft spricht wie der Zimmermannssohn aus Bethlehem, der vom väterlichen Handwerk allerdings auch keine Ahnung hatte, weiß Rat. „Was ist der Kitt“, so fragt er sich und uns und alle ein über das andere Mal, „der diese Gesellschaft zusammenhält?“ Falsche Frage. Ein Schreiner wüsste jedenfalls, dass Kitt nur da hilft, wo noch eine Fuge vorhanden ist, die sich mit Kitt verfugen ließe. Und falsches Material. Kitt hat nämlich die unangenehme Eigenschaft, schnell auszutrocknen und brüchig zu werden. Wo die Gesellschaft so gespalten ist wie die unsere, ist nichts mehr zu kitten. Der Zusammenhalt ist futsch!

Warum muss ich bei diesem Thema (Zusammenhalt und Steinmeier) immer an Loriots Steinlaus und an Billy the Kitt (tt=d) denken?

Fakten-(S)ch(r)eck

FazNet berichtete unter der Rubrik „Beruf und Chance“ über die ersten fünf Amtsjahre des 2012 nach langem Interregnum feierlich inaugurierten Gesamtleiters der Schule Schloss Salem, Bernd Westermeyer (Sebastian Baltzter: „Ein Offizier für Salem“). Ein ausgezeichneter Beitrag zur Situation der unterbelegten und im größten Umbruch ihrer Geschichte befindlichen Internatsschule, die immer noch als das deutsche Eliteinternat schlechthin bezeichnet wird. Lesenswert sind auch die Kommentare zu dem Beitrag. Allerdings wurde die Kommentarfunktion schon nach wenigen Stunden abgeschaltet. Zuviel der Kritik?

Selbst der beste Beitrag kann nie ein vollständiges Bild vermitteln. Deshalb an dieser Stelle einige Links zur Ergänzung und als Fakten-Check.

  1. Westermeyer will geistige Elite nach Salem holen
  2. Schule Schloss Salem: Hoch gesteckte Charakterziele?
  3. Elite-Internate: Auswahl der besten?
  4. Süddeutsche Zeitung: „Würde man das Grundgesetz ernst nehmen, müsste Schloss Salem geschlossen werden“