„Braucht es Störenfriede, damit die Politik lebendig bleibt?“

Das fragte sich das „Philosophische Radio“ auf wdr5 (Sendung am 24. Febr. 2017) und bat vorab schon mal um Diskussionsbeiträge. Das war meine Antwort:

An: philo@wdr.de

Frage: „Braucht es Störenfriede, damit die Politik lebendig bleibt? Wie stehen Sie zum puer robustus?“
Hier wird zunächst vorausgesetzt, dass Politik lebendig sei und dies bleiben müsse.
Schon an dieser Prämisse zweifele ich.
Um mein Verhältnis zum „puer robustus“ zu beschreiben, werde ich auf vier vorwiegend männliche „Typen“ von Herrn Thomä festgelegt:
– Den egozentrischen Störenfried
– den Exzentriker
– den nomozentrischen Störenfried sowie
– den „massiven Störenfried“ (Fundamentalisten).
Beim Deutschlandfunk war Herr Thomä noch mit einem Flohzirkus von drei Varianten aufgetreten: Er unterschied zwischen dem egozentrischen Störenfried, der allein seinen Eigenwillen zum Maß aller Dinge erkläre, dem exzentrischen Störenfried, der sich ebenso wenig um Regeln schere, aber seinen Eigenwillen nicht auslebe, da er noch auf der Suche nach sich selbst sei, sowie dem nomozentrischen Störenfried, der gegen eine Ordnung kämpft, um an die Stelle der alten Regeln neue zu setzen.
Nun mag es ja Typen von Störenfrieden geben wie Kinderkrankheiten oder Sand am Meer. Die Bandbreite reicht von Helden der historischen Legende (Wilhelm Tell) bis zum islamistischen Terroristen. Diese Bestandsaufnahme nun allerdings mit der Frage zu verbinden, ob man all diese brauche, um die Politik zu beleben, passt bestenfalls in den Karneval, aber nicht in eine ernsthafte philosophische Diskussion.
Natürlich „belebt“ es die Politik ungemein, wenn im Bundestag ein Islamist mit der Maschinenpistole in die Decke schießt. Da könnten Sie mal sehen, zu welcher Lebendigkeit sesselpupende Hinterbänkler fähig sind, um sich in Deckung zu werfen. Hält der Terrorist im voll besetzen Plenarsaal die Waffe tiefer, „belebt“ das schon weit weniger. Aber steigert das die Qualität der Politik? Nein. „Braucht“ es das also? Auch nicht.
Um nicht von vornherein in einer absurden Diskussion zu landen, werden Sie nicht umhin können, viel Sendezeit zu verplempern, um Ihren gesamten Zoo von pueri robusti nach dem Motto „Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“  erstmal zu sortieren, um dann in der Nachspielzeit der Sendung festzustellen, dass man sich besser nicht auf alle nur erdenklichen Spielarten des „Störenfrieds“ und deren notwendig negative Konnotationen eingelassen, sondern sich im Vorfeld auf den weniger komplexen Begriff des Querdenkers geeinigt hätte.
Pueri robusti in der Bedeutung des Querdenkers beleben die Politik einschließlich des gesamten politischen Diskurses der Gesellschaft tatsächlich ungemein und sind angesichts des omnipräsenten Gesinnungsterrors der Gutmenschen einerseits und des bürokratischen Zynismus (siehe Rückführung von Asylbewerbern) der Politik andererseits auch dringend notwendig.

Angesichts einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, wie Bundespräsident elected Frank Walter Steinmeier nicht müde wird zu orakeln, gehören die vertrauten Denkmuster und Standardantworten radikal in Frage gestellt. Und die zentrale Frage lautet sicher nicht: „Was ist der Kitt, der diese Gesellschaft zusammenhält?“, sondern: „Was hat die Welt so aus den Fugen geraten lassen und die Gesellschaft so gespalten?“ Querdenker an die Front!